Die meisten Besucher planen Prag als reine Städtereise und verbringen drei Tage zwischen Altstädter Ring und Burg. Dabei liegt rund um die Hauptstadt eine Region, die man bequem an einem einzigen Tag erreicht. Burgen, Weltkulturerbe, Kurorte und die Geburtsstadt des Pils sind alle weniger als zwei Stunden entfernt.
Warum sich eine feste Basis lohnt
Entscheidend ist dabei die Lage. Ein Hotel mitten in der Altstadt klingt praktisch, ist aber für Ausflüge der denkbar schlechteste Ausgangspunkt. Man kommt mit dem Auto schwer heraus und noch schwerer wieder hinein, und einen Stellplatz sucht man ohnehin vergeblich. Eine Unterkunft am Stadtrand mit eigenem Parkplatz und guter Straßenbahnanbindung ist die deutlich bessere Wahl. Morgens ist man in wenigen Minuten auf der Ausfallstraße, und an den Tagen, an denen Prag selbst auf dem Programm steht, bringt einen die Tram in einer Viertelstunde ins Zentrum.

Burg Karlstein – Foto von Frank van Dijk auf pexels.com
Burg Karlstein
Rund 30 Kilometer südwestlich von Prag liegt die bekannteste Burg des Landes. Karl IV. ließ sie ab 1348 errichten, unter anderem als Aufbewahrungsort für die Reichskleinodien. Von der Bahnstation führt ein etwa halbstündiger Aufstieg durch den Ort hinauf, gesäumt von Souvenirständen und Gasthäusern.
Wer die berühmte Heiligkreuzkapelle sehen möchte, muss den erweiterten Rundgang wählen und rechtzeitig vorab reservieren. Die Plätze sind streng begrenzt. Für den kurzen Weg und die gute Zugverbindung ist Karlstein der einfachste Ausflug überhaupt, entsprechend voll ist es an Wochenenden.
Kutná Hora
Etwa 70 Kilometer östlich liegt die Stadt, die im Mittelalter durch Silber reich wurde und heute zum UNESCO Welterbe zählt. Das Wahrzeichen ist die gotische Sankt Barbara Kathedrale, deren Bau über 500 Jahre dauerte.
Bekannter ist allerdings das Beinhaus im Vorort Sedlec, in dem die Gebeine von rund 40.000 Menschen zu Kronleuchtern, Wappen und Pyramiden verarbeitet wurden. Der Anblick ist außergewöhnlich und nichts für jeden Geschmack. Beide Orte liegen ein Stück auseinander, zwischen Kathedrale und Beinhaus verkehrt ein Bus.
Pilsen
Für viele deutsche Besucher der naheliegendste Ausflug überhaupt. Rund 90 Kilometer südwestlich von Prag wurde 1842 das erste helle untergärige Bier gebraut, das der ganzen Bierkategorie ihren Namen gab.
Die Brauereiführung bei Pilsner Urquell gehört zu den besten Werksbesichtigungen Mitteleuropas. Man geht durch das historische Sudhaus, fährt in die historischen Keller unter dem Gelände und probiert dort unfiltriertes Bier direkt aus dem Eichenfass. Wer danach noch Zeit hat, findet in der Altstadt eine der größten Synagogen Europas und ein weitläufiges Netz mittelalterlicher Kellergänge.

Karlsbad – Bild von Leonhard Niederwimmer auf Pixabay
Karlsbad
Der berühmteste Kurort des Landes liegt rund 125 Kilometer westlich von Prag und ist mit dem Auto oder dem Fernbus in etwa zwei Stunden erreichbar. Die Bahn braucht deutlich länger, deshalb ist sie hier die schlechtere Wahl.
Karlsbad lebt von seinen Kolonnaden, den heißen Quellen und der Kurarchitektur des 19. Jahrhunderts. Man kauft sich einen der typischen Trinkbecher, probiert sich durch die Quellen und spaziert durch das Tal der Teplá. Dazu gehören Oblaten und ein Gläschen Becherovka. Wer die Stadt aus der Höhe sehen will, nimmt die Standseilbahn hinauf zum Aussichtsturm Diana.
Schloss Konopiště
Etwa 45 Kilometer südöstlich von Prag steht das Schloss, das Erzherzog Franz Ferdinand von Österreich Este ab 1887 zu seinem Hauptwohnsitz ausbaute. Genau von hier reiste er 1914 nach Sarajevo.
Das Schloss ist bis heute weitgehend so eingerichtet, wie er es hinterließ, samt seiner umfangreichen Waffensammlung und Tausenden Jagdtrophäen. Der englische Landschaftspark mit Rosengarten ringsum lädt zu einem längeren Spaziergang ein. Für Besucher mit Interesse an österreichischer und deutscher Geschichte ist Konopiště eines der aufschlussreichsten Ziele im Umland.
Theresienstadt
Rund 60 Kilometer nordwestlich von Prag liegt die ehemalige Festungsstadt, die die Nationalsozialisten ab 1941 als Ghetto und Durchgangslager nutzten. Zehntausende Menschen starben hier, weitaus mehr wurden von hier in die Vernichtungslager deportiert.
Heute befindet sich in der Kleinen Festung und in der Stadt selbst eine Gedenkstätte mit Museum, Krematorium und Friedhof. Der Besuch ist bedrückend und braucht Zeit sowie Ruhe danach. Wer sich dafür entscheidet, sollte diesen Ausflug nicht mit einem zweiten Programmpunkt am selben Tag kombinieren.
Praktische Hinweise
Karlstein, Kutná Hora und Pilsen erreicht man am einfachsten mit der Bahn. Die tschechischen Züge sind zuverlässig und im Vergleich zu Deutschland ausgesprochen günstig, Tickets bekommt man am Schalter, am Automaten oder in der App.
Für Karlsbad und Theresienstadt sind Auto oder Fernbus die bessere Lösung. Beide lassen sich mit der Bahn nur umständlich erreichen.
Ein Punkt, der oft übersehen wird. Staatliche Burgen und Schlösser in Tschechien sind montags in der Regel geschlossen und haben von November bis März nur eingeschränkt oder gar nicht geöffnet. Vor der Anreise lohnt sich deshalb immer ein Blick auf die aktuellen Öffnungszeiten.
